Archiv der Kategorie: Unisport

Von der Kunst, Sport und Zeitgeist zu vereinen

Von Amelie Schultze

Jedes Jahr findet im Sommer das traditionelle Sportfest der Georg-August-Universität statt. Der Dies Academicus bietet den 8000 Besuchern eine bunte Mischung aus Sport, Kultur und Unterhaltung. Doch die Vorbereitung auf den großen Tag ist alles andere als einfach.

Nachdem der Dies Academicus vor knapp zwei Wochen ins Wasser gefallen ist, lädt der Hochschulsport der Georg-August-Universität am 2. Juli erneut die Studenten dazu ein, sich in zahlreichen Sportdisziplinen zu messen und eine bunte Mischung von Life-Acts zu verfolgen. Auch in diesem Jahr wird dies durch das Engagement von Wettkampfteilnehmern, etlichen Mitarbeitern des Hochschulsports und knapp 90 freiwilligen studentischen Helfern möglich. Angeleitet werden sie alle von einem kleinen Organisationsteam, bestehend aus sechs Studenten, einem Auszubildenden und Mischa Lumme, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hochschulsport und Koordinator des Dies Academicus. Im Rahmen des universitären Seminars „Eventmanagement“ haben sie bereits im vergangenen Jahr mit der Vorbereitung des Events begonnen.

„Es nimmt eine Menge Freizeit ein, aber es macht auch total viel Spaß und man sammelt echt gute Erfahrungen“, beschreibt Marie Bussemeier, 23 Jahre alt und Bachelor-Studentin der BWL im vierten Semester, ihre Arbeit. Sie ist Mitglied im offiziellen Organisationsteam und nimmt das erste Mal an der Organisation des Dies teil. Sie ist für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, während sich ihre Kommilitonen um die Sportturniere, das kulturelle Programm, die Gastronomie und die Koordination freiwilliger Helfer kümmern. Während jeder in seinem Teilbereich den Überblick behalten muss, eint sie aber die gemeinsame Suche nach dem Spirit, der den diesjährigen Dies prägen soll.

BildBild

Marie Bussemeier (23), BWL-Studentin im4.Semester

und Mitglied des Organisationsteam für den Dies Academicus

Im Organisationsteam ist man stolz, dass sich immerhin circa 2000 Teilnehmer für die Turniere angemeldet haben; für das größte darunter, das Fußballturnier, sind es allein schon 144 Teams. Das Turnier-Angebot beinhaltet neben den gewohnten Klassikern wie Fußball, Tennis, Volleyball und Street Ball auch exotischere Disziplinen wie Dodgeball und Human Table Soccer. Die Zuschauer können sich darüber hinaus auch selbst in Funsportarten wie American Gladiator, Kehrmaschinen-Pulling, einem Bobbycar-Rennen und dem Klimmzug-Kontest am Abend ausprobieren. Neben dem sportlichen Programm wird außerdem eine Menge Kulturelles angeboten: Auf der Eventbühne kann man ein Potpourri aus Tanz, Musik, Theater und Poetry Slam verfolgen und hinter den Beachvolleyball-Feldern hat man die Möglichkeit, einmal ganz legal zur Sprühdose zu greifen und an der Gestaltung einer Graffiti Wall mitzuwirken. Außerdem wird ein Lipdup angeboten, bei dem zusammen zu einem Musikvideo getanzt und das Ganze aufgezeichnet wird; und im Motto-Dorf, in dem verschiedene Teams im Wettbewerb um die kreativste Verkleidung stehen, soll unter den Zuschauern für ausgelassene Stimmung gesorgt werden.

„Es ist echt cool zu sehen, dass so viele Leute sich dafür engagieren, dass der Dies so zustande kommt“, meint Marie Bussemeier und betont, dass viel von der Mitarbeit der zahlreichen freiwilligen Helfer abhinge. Auch Seminarleiter Mischa Lumme sieht in dem Dies Academicus nicht nur ein bloßes Sportfest, sondern einen bunten Tag, der allen Teilnehmern gleichermaßen Kreativität und die Freude an verrückten Ideen abverlangt. Er war schon während seines Studiums als freiwilliger Helfer und später als Mitglied des Sportreferats an der Organisation des Dies und der anschließenden Party beteiligt und ist seit 2011 hauptamtlich beim Hochschulsport tätig. Er beschreibt, dass man bewusst eine „Art of Dies“ zu pflegen versuche, die Sport, Kultur, Unterhaltung und aktive Partizipation von Organisatoren, Wettkampfteilnehmern und Zuschauer vereine. Ihn begeistert jedes Jahr aufs Neue, wie viel Mühe die Sportteams in die Gestaltung von Trikots und Verkleidungen investierten. „Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welchem Ehrgeiz manche Leute selbst beim Klimmzug-Kontest antreten“ schmunzelt er.

Der Anspruch der Organisatoren besteht darin, etwas Besonderes aus dem Tag zu machen und eng am Puls der Zeit zu sein. Der Dies ist dabei nicht nur ein wichtiges Werbeinstrument für den Hochschulsport, sondern er hat auch eine historische Bedeutung für die gesamte Universität: Obwohl unklar ist, wann der erste sogenannte Dies Academicus stattgefunden hat, so belegt immerhin ein Foto aus dem Jahr 1913 die lange Tradition eines Sportfestes. Mischa Lumme sieht jedoch eine stetige Weiterentwicklung: Während der Dies ursprünglich ein reines Sportereignis gewesen sei, sei er heute zu einem Event mit breitem kulturellen Angebot gewachsen. Das zeige sich auch im Kleinen: Noch vor einigen Jahren waren nur Studenten der Sportwissenschaften mit der Vorbereitung des Dies betraut; inzwischen wird der Dies von Studenten ganz verschiedener Fächer gestaltet, die an dem Seminar „Eventmanagement“ teilnehmen und hauptsächlich Freude an der Organisationsarbeit mitbringen müssen. „Ich denke, das hat neue Herangehensweisen eingebracht und zu einem offeneren Charakter des Dies beigetragen. So werden vielleicht neue Zielgruppen erreicht“, so Mischa Lumme. Eine weitere Entwicklung sieht er darin, dass die Organisation des Dies zunehmend stärker strukturiert werde, indem sie beispielsweise vermehrt Image-Arbeit und das Hinwirken auf Presse-Wirksamkeit beinhalte. Für die Organisatoren stelle sich beständig die Frage, wie sie die Dies-Kultur prägen wollen. Während der Dies derzeit von einem Festivalflair geprägt sei, könnte man ihm in den kommenden Jahren womöglich einen offizielleren und formelleren Anstrich geben. Dabei sei jedoch fraglich, ob eine solche Veränderung überhaupt wünschenswert und umsetzbar wäre; immerhin sei die Atmosphäre des Dies nicht nur durch das offizielle Organisationsteam, sondern auch durch die Sportler und Zuschauer wesentlich bestimmt.

Bild

Mischa Lumme, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hochschulsport und Koordinator des Dies Academicus.

Leider ist nicht alles, was unter Dies-Traditionen läuft, so eine tolle Sache. So ist zum Beispiel ein verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol ein Thema, das die Veranstalter auf der Agenda haben. „Wir versuchen, auf Appelle zu setzen und nicht auf Verbote, und so eine Verhaltensänderung herbeizuführen“, betont Mischa Lumme. So hat man in diesem Jahr einen Sponsor für Mineralwasser gewinnen können und hofft, dadurch einen Anreiz zu einem gemäßigten Alkoholkonsum insbesondere bei den Sportlern auf dem Spielfeld zu setzen. Insgesamt betrachtet passiere allerdings selten etwas und die positive Stimmung überwiege.

Andere Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass sich die Organisation des Dies über mehrere Monate erstreckt. Dem studentischen Team wird dadurch viel Disziplin und eine beständige Begeisterung für die Vorbereitung abverlangt. „Es ist etwas schwierig, dass alles zeitlich so abzusehen“, meint Marie Bussemeier. Problematisch seien neben dem steigenden Zeitdruck insbesondere kurzfristige Absagen von Partnern und die Unvorhersehbarkeit des Wetters; auch in diesem Jahr musste der Dies aufgrund eines starken Unwetters am Morgen abgesagt und um mehrere Wochen verschoben werden. Außerdem sei es anspruchsvoll, den Ablauf der Turniere bei der großen Zahl angemeldeter Teams zu koordinieren und die gruppeninterne Kommunikation so aufrecht zu erhalten, dass eine effektive Aufgabenverteilung gewährleistet ist.

Sowohl Mischa als auch Marie betonen jedoch beide, dass die Organisation im Großen und Ganzen gut laufe und viel Freude bereite. So ist beispielsweise der Andrang auf das Fußballturnier so groß gewesen, dass sich nach Freischaltung der Anmeldung bereits über Nacht etliche Mannschaften eingetragen haben. Man ist beim Hochschulsport außerdem stolz darauf, dass der Dies ein eigenes Projekt ist. Mit 25.000-30.000 Euro, die insgesamt für das Fest ausgegeben werden, finanziert der Hochschulsport das Event aus dem eigenen Haushalt; und auch die Vorbereitung wird ganz in Eigenregie geführt. Mischa Lumme zeigt sich aber dankbar für die kooperative Haltung der Universitätsleitung, die einen Ausfall der Lehrveranstaltungen ab dem frühen Nachmittag erlaubt und den Universitätsangestellten eine Teilnahme am Dies als Arbeitszeit anrechnet.

Der Dies Academicus 2014 trägt den Namen „Dies de Janeiro“. Durch die Weltmeisterschaft sei der Fußball derzeit in den Medien allgegenwärtig; und auf dem Hochschulsportgelände wird derzeit zudem für einige der Spiele ein Public Viewing veranstaltet. „Fußball ist Deutschlands beliebteste Sportart und zentraler Bestandteil des Dies“, begründet Mischa Lumme. Generell trage das Motto des Dies wesentlich zu seinem einzigartigen Charakter bei; so gab es schon ein Woodstock-Motto und im vergangenen Jahr wurde das Thema mit dem indischen Holi-Fest verknüpft. Marie Bussemeier assoziiert mit dem diesjährigen Motto vor allem das brasilianische Lebensgefühl und hofft, dass sich das nicht nur im offiziellen Logo und den geplanten exotischen Cocktails und Smoothies, sondern auch im Wetter widerspiegelt. Sie wünscht sich, dass am Tag des Dies alles glatt läuft und so abends für sie selbst noch ein wenig Zeit bleibt, ein wenig zuzuschauen: „Den Klimmzug-Kontest, da freue ich mich schon sehr drauf.“

Kurz vorgestellt: Der Dies 2013

Der DIES Academicus ist jedes Jahr ein ganz besonderer Tag an der Universität Göttingen. Für einen Nachmittag stehen die Hörsäle fast leer, selbst die Stifte in Büros werden für diesen Tag früher weggelegt und man begibt sich jung und alt zum Uni-Sport-Gelände, wo verschiedene sportliche Angebote zu Ausgelassenheit und guter Stimmung einladen. Wie bunt es in diesem Jahr war, haben wir in diesem Videobeitrag kurz zusammengefasst.

Musik: Sundly – Memories

Hinter den Kulissen

Der 29. Mai fällt in diesem Jahr auf einen Mittwoch. Der britische Rockmusiker Eric Clapton gibt ein Konzert in Frankfurt, der Komiker und „Beziehungsexperte“ Mario Barth tritt in der Lanxess Arena in Köln auf und verzückt sein Publikum mit den täglichen Missverständnissen zwischen den Geschlechtern. Der ehemalige amerikanische Präsident John F. Kennedy wäre an diesem Tag 96 Jahre alt geworden. Sarah Gräßler hatte sich den 29. Mai im Kalender rot markiert, allerdings hat keiner der genannten Herren etwas damit zu tun. Für die Sport- und Geschlechterforschungsstudentin hatte dieser Tag eine komplett andere Bedeutung, er sollte den Abschluss und Höhepunkt einer Arbeit bilden, der sie sich ein halbes Jahr lang gewidmet hat. Der 29. Mai, der Tag des DIES Academicus, einer der größten Sportveranstaltungen rund um Göttingen. Sarah Gräßler gehört zu den Organisatoren, die diesen Event auf die Beine stellen und schätzungsweise 8.000 sportbegeisternden Studierenden einen unvergesslichen Tag garantieren. Doch es sollte anders kommen, starke Regenfälle machten jegliche Pläne zunichte. Der 19. Juni ist als Nachholtermin vorgesehen. Die Augusta hat hinter die Kulissen geschaut und ausgemacht, weswegen es sich lohnt noch ein wenig zu warten.

Foto 15.05.13 11 14 52

Das Organisationsteam des DIES

Der DIES Academicus ist als alljährlicher Sport- und Kulturtag der Universität Göttingen nicht mehr wegzudenken. „Sommer, Spaß, Unterhaltung, Sport“, mit diesen wenigen Worten beschreibt Gräßler, was der Veranstaltung sein Flair verleiht. Es klingt wie eine Zauberformel. Gerade die Einfachheit dieser Rezeptur macht den DIES für seine Besucher so attraktiv.  Das Angebot ist vielfältig, ein bunter Mix aus Sport und Kultur. Auf dem Sportzentrum am Sprangerweg werden verschiedene Ballsportturniere ausgetragen, unter anderen treten 144 Teams um die Fußballkrone an. „Das Teilnehmerkontingent für das Fußballturnier war 10 Minuten nach Öffnung des Anmeldeverfahrens voll“, erinnert sich Gräßler schmunzelnd. Beim Volleyball habe es 20 Minuten gedauert. Dazu kommen noch zahlreiche weitere, teils skurrile Wettbewerbe, die inzwischen fest in der DIES-Tradition verankert sind: Das Bobby Car Rennen und der Klimmzug-Contest, in diesem Jahr erstmals durch die Wortakrobatik verschiedener Poetry-Slam-Einlagen begleitet, stehen auf dem Programmplan.

Doch wer sind die Macher des DIES? Was verbirgt sich hinter den Kulissen einer der beliebtesten universitären Sportveranstaltungen Deutschlands? „Wir sind ein Seminar, bestehend aus sechs Studierenden unter der Leitung von Mischa Lumme“, stellt Gräßler vor. Das zwei Semesterandauernde Modul „Eventmanagement in Theorie und Praxis am Beispiel des DIES“ gewährt seinen Teilnehmern einen Einblick in die Sportveranstaltungsorganisation, der DIES stellt eine Bewährungsprobe und Reifeprüfung dar. „Wir haben zu Beginn gesammelt was wir uns von dem Seminar erhoffen. Dabei waren unsere Zielvorstellungen ganz unterschiedlicher Natur: die Übernahme von Verantwortung, ein Überblick über die Arbeit einer Projektgestaltung, Kreativitätserweiterung oder auch die Verbesserung der Teamfähigkeit“, erklärt Gräßler. Die Vielfältigkeit des DIES Academicus spiegelt sich in den verschiedenen Kompetenzbereichen wieder, die jeweils einer der Studierenden bearbeitet. Während Sarah Gräßler sich für die Pressearbeit zuständig zeigt, kümmert sich Nico Gießler um den Gastronomiebereich und Florian Loest um die Turnierleitung. Kirill Pivsaev organisiert die sogenannte Event-Meile und Christin Bühler ist mit der DIES-Bühne sowie Volunteerbereich betraut. Zusätzlicher Bestandteil des Teams ist Lars Glitsch, Auszubildender beim Hochschulsport, der zwischen als Bindeglied zwischen seinem Arbeitgeber und der Gruppe der Studierenden fungiert. „Auch wenn jeder für einen speziellen Aufgaben verantwortlich ist, haben wir gemeinsam an der Verwirklichung des DIES gearbeitet“, sagt Gräßler. Bei den wöchentlichen Treffen seien im Plenum Ideen gesammelt und diskutiert worden, so habe es einen ständigen In-put von außen gegeben. „Mischa hat uns mit seiner Erfahrung immens weitergeholfen“, lobt Gräßler. „Manchmal musste er uns etwas bremsen, wenn wir vor Begeisterung von neuen Ideen nicht das komplette Ausmaß bedachten.“

Neu ist in diesem Jahr die Farbpracht des DIES Academicus, im wahrsten Sinne des Wortes. Bei einem Zumba-Flashmob soll indisches Holi-Pulver die Menschenmasse in eine bunte Traube verwandeln. Zudem wird ein Graffiti- Ausprobier- und Mitmach-Workshop angeboten. „Der DIES ist nicht nur eine reine Sportveranstaltung, sondern vielmehr eine Art Festival. Das Motto „Es wird bunt“ repräsentiert die farbenfrohe Aufmachung des Events und sein Abwechslungsreichtum“, erläutert Gräßler. Um einen höheren Wiedererkennungswert zu schaffen und den DIES noch stärker als eigene Marke zu etablieren, wurde der Slogan „The Art of DIES“ eingeführt. „Wir haben des Weiteren auf die Kritik der letzten Jahre, dass es aufgrund des großen Angebots zu unübersichtlich sei, reagiert.“ Ein ausführliches Programmheft samt Lageplan soll Abhilfe verschaffen. So könne jeder von Anfang an nachvollziehen, wo er oder sie hin will, erklärt Gräßler.

Sarah Gräßler sah dem 29. Mai zuversichtlich entgegen. „Ich habe ein gutes Gefühl. Wir sind bestens vorbereitet und warten darauf, dass es los geht.“ Nun eben der 19. Juni. Besonders gespannt sei sie darauf zu sehen, wie sich die Arbeit von sechs Leuten an einem Event dieser Größenordnung in die Realität umsetzt. „Das einzige was schiefgehen kann ist das Wetter.“ Gleichzeitig seien aber auch die Besucher gefordert ihren Teil zum farbenfrohen Fest beizutragen, appelliert Gräßler. „Das Fest lebt von seinen Gästen. Wir sind darauf angewiesen, dass die Studierenden verantwortungsvoll mit ihrem Alkoholkonsum und der Müllentsorgung umgehen.“ Dann steht dem Auflodern des Spirits des „Art of DIES“ nichts mehr im Weg.

Marc Strotmann (marcstrotmann@yahoo.de)

Schluss mit lustig!

Viele Studierende sind unzufrieden mit den Lehrverhältnissen am Sportinstitut. Ein offener Brief an das Universitätspräsidium und das Dekanat der sozialwissenschaftlichen Fakultät soll für ein Umdenken sorgen

Das Sportgelände am Sprangerweg bietet einen idyllischen Anblick. Im Sonnenschein kommt das saftige Grün der Rasenplätze zur Geltung, Lichtstrahlen spiegeln sich in der Glasfassade des Fitnesszentrums. Ein Stück heile Welt. Doch diese bröckelt gewaltig, ein Konflikt schwelt bereits seit längerem unter der Oberfläche. Spätestens der November vergangenen Jahres, bot einen klaren Fingerzeig. Auf einem weißen Banner, direkt über dem Haupteingang angebracht, prangten in schwarzen Lettern: „Wir trauern um unsere Lehre!“. Ein verfrühter Nachruf, der allerdings die Stimmung eines Großteils der Sportstudierenden widerspiegelt. „Seit etlichen Jahren existieren bereits die selben Probleme“, beschreiben Arne Hillmann und Michael Fraenkel von der Fachgruppe Sport. „Beim Institut stießen wir auf verschlossene Türen. Die vorgebrachten Schwierigkeiten wurden als Einzelfälle oder Meinung der Fachgruppe abgetan.“ Dass dem nicht so ist, zeigt die hohe Beteiligung der Anfang des Jahres stattgefundenen studentischen Vollversammlung. „Das ist am Sportzentrum keinesfalls alltäglich“, sagt Fraenkel. Im Plenum sei die Idee eines offenen Briefs entstanden, der die schwerwiegendsten Kritikpunkte zusammenfasst. „Wir stellen seit längerem eine Abwärtsspirale fest, sowohl was die Qualität, als auch die Quantität des Lehrangebots anbetrifft“, analysiert Hillmann. Mangelndes oder nur angelesenes Expertenwissen in den praktischen Sportkursen, eine hohe Fluktuation des Lehrpersonals und der Weggang beliebter Dozenten und Dozentinnen sorgen für Unmut unter den Sportstudierenden. Hinzukommen Differenzen zwischen dem Sportinstitut und dem Hochschulsport. „Insbesondere Exkursionen fanden in den letzten Jahren häufig unter der Leitung von Mitarbeitern des Hochschulsportzentrums statt. Gerade Ski und Kanu bieten vor allem für Lehramtsstudierende eine zusätzliche Qualifikation, die sich im späteren Berufsleben bezahlt macht“, erklärt Hillmann. Durch Ausbleiben oder Reduktion dieser Angebote leidet die Attraktivität des Studienstandortes Göttingen. Die Streitigkeiten zwischen den Leitungen des Sportinstituts und des Hochschulsports belasten das Umfeld. „Wir als Fachgruppe befanden uns zuletzt zwischen den Stühlen und agierten häufig als Moderator“, stellt Fraenkel fest. „Unsere eigentliche Aufgabe als Ansprechpartner für Studierende können wir unter diesen Umständen, nicht im gewünschten Maß wahrnehmen.“

Bezeichnend, dass sich der offene Brief sich nicht an das Sportinstitut, sondern an das Universitätspräsidium und das Dekanat der sozialwissenschaftliche Fakultät wandte. Insgesamt 498  aktuelle und ehemalige(!) Sportstudierende haben die Petition unterschrieben, die Anfang Februar Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel und Vizepräsident Prof. Wolfgang Lücke überreicht wurde. Die Reaktion war durchgehend positiv. So erklärte die Präsidenten dem Göttinger Tageblatt, man werde sich der Sache annehmen und lobte die Art des Protests der Fachgruppe Sport. Den Worten müssen  Taten folgen. „Bislang ist nicht viel passiert, aber wir sind guter Hoffnung, dass sich in naher   Zukunft etwas ändern wird“, sagt Hillmann. Die Sportstudierende haben ihren Standpunkt klar dargelegt. Nun sind die Universitätsverantwortlichen gefordert eine Reaktion zu zeigen.

von Marc Strotmann (marcstrotmann@hotmail.de)

Helle Köpfe, schnelle Beine. Anpfiff für die Uni-Liga

„Mens sana in corpore sana“- ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Der römische Dichter Juvenal(60-140 n. Chr.) trug diesen Ausspruch auf parodistische Art zum Spott vor. Würde er nun nach fast 2000 Jahren das Sportgelände der Universität Göttingen betreten, böte sich ihm ein kurioser Anblick. Äußerst fähige und gesunde Geister jagen einem Lederball nach und versuchen das Runde ins Eckige zu befördern. Vielleicht würde sich Juvenal gar von der Euphorie anstecken lassen und sich beim Kicken ein wenig seine poetischen Gedanken zerstreuen. Das ist natürlich nur Spekulation. Sicher ist aber das ab dem 17. April eine Fußballeuphorie durch Göttingen geht- das Uni-Liga-Fieber bricht aus. Die AUGUSTA hat sich schlaugemacht, was es damit auf sich hat und alles Wissenswerte zusammengetragen.

Historisches: Die Geburtsstunde der Uni- Liga liegt im Jahr 2005. Die Idee ist aus einer Laune heraus entstanden. „Ein paar Kommilitonen und ich hatten einfach Bock ein wenig zu kicken. Daraufhin haben wir die Liga ins Leben gerufen“, erinnert sich Christoph Köchy, Geschäftsführer der Uni- Liga GmbH. Die Initiative fand direkt positiven Anklang: „Wir hatten mit etwa zehn Teams gerechnet, es meldeten sich allerdings 48.“ Bereits im folgenden Jahr stieg die Anzahl der Teams um das Doppelte, sodass eine Grenze von 84 festgelegt wurde.

Inzwischen hat sich die Marke Uni-Liga durchgesetzt und auf weitere Städte wie Kassel und Braunschweig ausgeweitet. Die Uni-Liga GmbH koordiniert mittlerweile 21 Ligen. Die Berichterstattung auf Facebook und der eigenen Homepage betreiben die Organisatoren mit viel Herzblut. Die professionelle Inszenierung macht den Charme der Liga aus.

Modus: Die Vorrunde wird in 14 Gruppen, in denen jeweils sechs Teams um den Gruppensieg streiten. Sowohl die Erst- als auch die Zweitplatzierten qualifizieren sich für die Play-Offs. Dazu gesellen sich die vier besten dritten Plätze.

Favoriten: „Es ist schwierig einzuschätzen wer in diesem Jahr vorne mitspielt“, sagt Köchy. Gesucht wird der Nachfolger des Weißen Ballett. Die Rekordsieger sind in diesem Jahr nicht vertreten. Die Mannschaft von Die TSG strebt nach der letztjährigen Finalniederlage in diesem Jahr den letzten Schritt zu vollziehen. Das Team des F.C. Nankatsu wiederum hat bereits beim Wintercup eindrucksvoll nachgewiesen, dass es sich dieses Jahr in guter Form befindet. Möglicherweise gelingt es auch einem Newcomerteam die Phalanx der altarrivierten zu stürzen. „Ich würde auf Sportstudierende tippen. Die sind zumindest zu Beginn stets die Fittesten“, witzelt Köchy. Um ein weiteres Mal den Dichter Juvenal heranzuziehen: Für den Turniererfolg bedarf es einer geistvollen Taktik und schnelle, gesunde Beine.

Politische Dimension: Zur Tradition der Uni-Liga gehört zweifelsfrei, dass viele Teams sich bei der Namensgebung auf prominente Vereine beziehen und deren Titulierung mehr oder minder originell umwandeln. In der Vergangenheit handelte es sich oft um Wortspiele, die mit Alkohol oder Geschlechterstereotypen zu tun hatten.

Nach der aufsehenerregenden  Sexismusdebatte im vergangenen Jahr, sogar Spiegel-Online berichtete darüber, deren Ausgangspunkt der Teamname F.C. Siewillja bildete, hat sich das Bewusstsein der Verantwortlichen bezüglich der Namensgebung verschärft. „Wir nehmen dieses Thema absolut ernst“, erklärt Köchy. „Einige finden es witzig, allerdings hört der Spaß auf, wenn sich jemand diskriminiert fühlt.“ Erstmals setzte sich im Vorfeld ein Komitee zusammen, bestehend aus Gleichstellungsbeauftragten, dem Hochschulsport und der Uni-Liga GmbH, die die Namensliste absegneten. Neben sexistischen Bezeichnungen, fielen ebenfalls alkoholverherrlichende Namen unter die Zensur. „Die Uni-Liga repräsentiert als offizielle Veranstaltung des Hochschulsports inzwischen die Universität im hohen Maß. Insofern tragen wir die Linie des Präsidium mit, das sie sich gegen einen ausschweifen Alkoholkonsum wendet.“, macht Köchy deutlich. Als angehende Akademiker seien die Studierenden gefordert sich die Folgen ihrer Taten vor Augen zu halten. Dieser Schritt zeigt auf, wie weit die Emanzipation der Uni-Liga fortgeschritten ist. Sie hat sich von einer reinen Spaßveranstaltung zu einem seriösen Sportevent entwickelt, dass, ob der Tragweite ihrer Außendarstellung wissend, eine tolerante Botschaft setzt.

Atmosphäre: Trotz solcherlei Nebengeräuschen ist die Begeisterung für die Uni-Liga ungebrochen. An den Spieltagen kommen um die tausend Studierenden, spielen Fußball, fiebern neben der Seitenlinie mit und feiern gemeinsam. „Es ist gar nicht notwendig etwas außergewöhnliches drum herum zu organisieren. Im Grunde sind alle zufrieden, wenn der Ball rollt“, sagt Köchy. Die Teams seien selbst kreativ genug, dass Flair des Events zu tragen. „Das Erfolgsrezept ist simpel aber erfolgreich. Im Gegensatz zum Vereinssport ist die Uni-Liga deutlich unverbindlicher. Jeder kann dabei sein. Gute Spieler probieren etwas aus, weniger talentierte verlieren nicht die Lust.“ Im Prinzip wollen die Studierenden mit ihren Freunden gemeinsam Fußball spielen. Schlussendlich lebt in einem gesunden Körper ein gesunder Geist.

Von Marc Strotmann( marcstrotmann@hotmail.de)