Was wir von Charlie lernen können

Was am siebten Januar im Redaktionsbüro der Charlie Hebdo passierte, war ohne Zweifel schockierend. Es war ein grauenvolles Massaker, ausgeführt von zwei islamistischen Fanatikern, die eine satirische Zeitschrift für das Ausüben von Meinungs- und Pressefreiheit bestrafen wollten. Allerdings ist es außerordentlich wichtig, dass man auch betrachtet, welche Veröffentlichungen der Charlie Hebdo sie zum Ziel eines solchen Angriffs machten. Eine dieser Karikaturen zeigt den muslimischen Propheten, wie er sich nackt auf einem Bett räkelt und anscheinend einen Amateurporno dreht. In einer Anderen kniet Mohammed nackt auf allen Vieren, er trägt lediglich einen Turban. Er hält seinen Hintern dem Betrachter entgegen und lediglich sein Anus ist durch einen Stern zensiert. Es ist wichtig und gut, dass unsere Medien auch das recht haben, auch Religionen zu karikieren. Allerdings sollten wir aber bedenken, dass Karikaturen nichts anderes als Kritik darstellen. Eine Kritik sollte auch immer etwas Konstruktives haben. Wie sinnvoll ist es also, wenn man jemanden karikiert, der vor Hunderten von Jahren lebte? Ausschließlich der symbolische, religiöse Wert den Mohammed hat, ist also von Bedeutung. Für viele Moslems ist die Beleidigung des Propheten ein verletzender Angriff auf ihren Glauben und ihre religiöse Identität. Dies berechtigt dennoch niemanden, in irgendeiner Weise gewalttätig zu werden. Jedoch bedeutet es auch nicht, dass Karikaturen des muslimischen Propheten die interkulturelle Verständigung mit Muslimen verbessern. Es muss selbstverständlich erlaubt bleiben, Religionen zu kritisieren und karikieren. Aber nichtsdestotrotz sollte man sich auch die Frage stellen, ob wir etwas tun müssen, nur weil wir es tun können. Welchen Nutzen ziehen wir aus Mohammed-Karikaturen? Bringt es uns auf irgendeiner Ebene voran, dass wir die religiösen Gefühle von muslimischen Mitmenschen in Europa angreifen? Die einzigen, denen solche Karikaturen nützen, sind radikale Islamisten. Sie machen es ihnen einfacher, Menschen zu radikalisieren. Und genau so hat auch das Attentat in Paris nur den Islamhassern und rechten Parteien zugespielt. Wenn solche Parteien kritisiert und karikiert werden, wird sich hauptsächlich ihrer Anführer, Aussagen und Mitglieder bedient. Unsere Kritik sollte den Radikalen und Fanatikern gelten, sie sind es, die einen Keil in die Gesellschaft treiben wollen, nicht der Islam oder sein Prophet.

Von Kevin Barlog

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