Von der Kunst, Sport und Zeitgeist zu vereinen

Von Amelie Schultze

Jedes Jahr findet im Sommer das traditionelle Sportfest der Georg-August-Universität statt. Der Dies Academicus bietet den 8000 Besuchern eine bunte Mischung aus Sport, Kultur und Unterhaltung. Doch die Vorbereitung auf den großen Tag ist alles andere als einfach.

Nachdem der Dies Academicus vor knapp zwei Wochen ins Wasser gefallen ist, lädt der Hochschulsport der Georg-August-Universität am 2. Juli erneut die Studenten dazu ein, sich in zahlreichen Sportdisziplinen zu messen und eine bunte Mischung von Life-Acts zu verfolgen. Auch in diesem Jahr wird dies durch das Engagement von Wettkampfteilnehmern, etlichen Mitarbeitern des Hochschulsports und knapp 90 freiwilligen studentischen Helfern möglich. Angeleitet werden sie alle von einem kleinen Organisationsteam, bestehend aus sechs Studenten, einem Auszubildenden und Mischa Lumme, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hochschulsport und Koordinator des Dies Academicus. Im Rahmen des universitären Seminars „Eventmanagement“ haben sie bereits im vergangenen Jahr mit der Vorbereitung des Events begonnen.

„Es nimmt eine Menge Freizeit ein, aber es macht auch total viel Spaß und man sammelt echt gute Erfahrungen“, beschreibt Marie Bussemeier, 23 Jahre alt und Bachelor-Studentin der BWL im vierten Semester, ihre Arbeit. Sie ist Mitglied im offiziellen Organisationsteam und nimmt das erste Mal an der Organisation des Dies teil. Sie ist für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, während sich ihre Kommilitonen um die Sportturniere, das kulturelle Programm, die Gastronomie und die Koordination freiwilliger Helfer kümmern. Während jeder in seinem Teilbereich den Überblick behalten muss, eint sie aber die gemeinsame Suche nach dem Spirit, der den diesjährigen Dies prägen soll.

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Marie Bussemeier (23), BWL-Studentin im4.Semester

und Mitglied des Organisationsteam für den Dies Academicus

Im Organisationsteam ist man stolz, dass sich immerhin circa 2000 Teilnehmer für die Turniere angemeldet haben; für das größte darunter, das Fußballturnier, sind es allein schon 144 Teams. Das Turnier-Angebot beinhaltet neben den gewohnten Klassikern wie Fußball, Tennis, Volleyball und Street Ball auch exotischere Disziplinen wie Dodgeball und Human Table Soccer. Die Zuschauer können sich darüber hinaus auch selbst in Funsportarten wie American Gladiator, Kehrmaschinen-Pulling, einem Bobbycar-Rennen und dem Klimmzug-Kontest am Abend ausprobieren. Neben dem sportlichen Programm wird außerdem eine Menge Kulturelles angeboten: Auf der Eventbühne kann man ein Potpourri aus Tanz, Musik, Theater und Poetry Slam verfolgen und hinter den Beachvolleyball-Feldern hat man die Möglichkeit, einmal ganz legal zur Sprühdose zu greifen und an der Gestaltung einer Graffiti Wall mitzuwirken. Außerdem wird ein Lipdup angeboten, bei dem zusammen zu einem Musikvideo getanzt und das Ganze aufgezeichnet wird; und im Motto-Dorf, in dem verschiedene Teams im Wettbewerb um die kreativste Verkleidung stehen, soll unter den Zuschauern für ausgelassene Stimmung gesorgt werden.

„Es ist echt cool zu sehen, dass so viele Leute sich dafür engagieren, dass der Dies so zustande kommt“, meint Marie Bussemeier und betont, dass viel von der Mitarbeit der zahlreichen freiwilligen Helfer abhinge. Auch Seminarleiter Mischa Lumme sieht in dem Dies Academicus nicht nur ein bloßes Sportfest, sondern einen bunten Tag, der allen Teilnehmern gleichermaßen Kreativität und die Freude an verrückten Ideen abverlangt. Er war schon während seines Studiums als freiwilliger Helfer und später als Mitglied des Sportreferats an der Organisation des Dies und der anschließenden Party beteiligt und ist seit 2011 hauptamtlich beim Hochschulsport tätig. Er beschreibt, dass man bewusst eine „Art of Dies“ zu pflegen versuche, die Sport, Kultur, Unterhaltung und aktive Partizipation von Organisatoren, Wettkampfteilnehmern und Zuschauer vereine. Ihn begeistert jedes Jahr aufs Neue, wie viel Mühe die Sportteams in die Gestaltung von Trikots und Verkleidungen investierten. „Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welchem Ehrgeiz manche Leute selbst beim Klimmzug-Kontest antreten“ schmunzelt er.

Der Anspruch der Organisatoren besteht darin, etwas Besonderes aus dem Tag zu machen und eng am Puls der Zeit zu sein. Der Dies ist dabei nicht nur ein wichtiges Werbeinstrument für den Hochschulsport, sondern er hat auch eine historische Bedeutung für die gesamte Universität: Obwohl unklar ist, wann der erste sogenannte Dies Academicus stattgefunden hat, so belegt immerhin ein Foto aus dem Jahr 1913 die lange Tradition eines Sportfestes. Mischa Lumme sieht jedoch eine stetige Weiterentwicklung: Während der Dies ursprünglich ein reines Sportereignis gewesen sei, sei er heute zu einem Event mit breitem kulturellen Angebot gewachsen. Das zeige sich auch im Kleinen: Noch vor einigen Jahren waren nur Studenten der Sportwissenschaften mit der Vorbereitung des Dies betraut; inzwischen wird der Dies von Studenten ganz verschiedener Fächer gestaltet, die an dem Seminar „Eventmanagement“ teilnehmen und hauptsächlich Freude an der Organisationsarbeit mitbringen müssen. „Ich denke, das hat neue Herangehensweisen eingebracht und zu einem offeneren Charakter des Dies beigetragen. So werden vielleicht neue Zielgruppen erreicht“, so Mischa Lumme. Eine weitere Entwicklung sieht er darin, dass die Organisation des Dies zunehmend stärker strukturiert werde, indem sie beispielsweise vermehrt Image-Arbeit und das Hinwirken auf Presse-Wirksamkeit beinhalte. Für die Organisatoren stelle sich beständig die Frage, wie sie die Dies-Kultur prägen wollen. Während der Dies derzeit von einem Festivalflair geprägt sei, könnte man ihm in den kommenden Jahren womöglich einen offizielleren und formelleren Anstrich geben. Dabei sei jedoch fraglich, ob eine solche Veränderung überhaupt wünschenswert und umsetzbar wäre; immerhin sei die Atmosphäre des Dies nicht nur durch das offizielle Organisationsteam, sondern auch durch die Sportler und Zuschauer wesentlich bestimmt.

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Mischa Lumme, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Hochschulsport und Koordinator des Dies Academicus.

Leider ist nicht alles, was unter Dies-Traditionen läuft, so eine tolle Sache. So ist zum Beispiel ein verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol ein Thema, das die Veranstalter auf der Agenda haben. „Wir versuchen, auf Appelle zu setzen und nicht auf Verbote, und so eine Verhaltensänderung herbeizuführen“, betont Mischa Lumme. So hat man in diesem Jahr einen Sponsor für Mineralwasser gewinnen können und hofft, dadurch einen Anreiz zu einem gemäßigten Alkoholkonsum insbesondere bei den Sportlern auf dem Spielfeld zu setzen. Insgesamt betrachtet passiere allerdings selten etwas und die positive Stimmung überwiege.

Andere Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass sich die Organisation des Dies über mehrere Monate erstreckt. Dem studentischen Team wird dadurch viel Disziplin und eine beständige Begeisterung für die Vorbereitung abverlangt. „Es ist etwas schwierig, dass alles zeitlich so abzusehen“, meint Marie Bussemeier. Problematisch seien neben dem steigenden Zeitdruck insbesondere kurzfristige Absagen von Partnern und die Unvorhersehbarkeit des Wetters; auch in diesem Jahr musste der Dies aufgrund eines starken Unwetters am Morgen abgesagt und um mehrere Wochen verschoben werden. Außerdem sei es anspruchsvoll, den Ablauf der Turniere bei der großen Zahl angemeldeter Teams zu koordinieren und die gruppeninterne Kommunikation so aufrecht zu erhalten, dass eine effektive Aufgabenverteilung gewährleistet ist.

Sowohl Mischa als auch Marie betonen jedoch beide, dass die Organisation im Großen und Ganzen gut laufe und viel Freude bereite. So ist beispielsweise der Andrang auf das Fußballturnier so groß gewesen, dass sich nach Freischaltung der Anmeldung bereits über Nacht etliche Mannschaften eingetragen haben. Man ist beim Hochschulsport außerdem stolz darauf, dass der Dies ein eigenes Projekt ist. Mit 25.000-30.000 Euro, die insgesamt für das Fest ausgegeben werden, finanziert der Hochschulsport das Event aus dem eigenen Haushalt; und auch die Vorbereitung wird ganz in Eigenregie geführt. Mischa Lumme zeigt sich aber dankbar für die kooperative Haltung der Universitätsleitung, die einen Ausfall der Lehrveranstaltungen ab dem frühen Nachmittag erlaubt und den Universitätsangestellten eine Teilnahme am Dies als Arbeitszeit anrechnet.

Der Dies Academicus 2014 trägt den Namen „Dies de Janeiro“. Durch die Weltmeisterschaft sei der Fußball derzeit in den Medien allgegenwärtig; und auf dem Hochschulsportgelände wird derzeit zudem für einige der Spiele ein Public Viewing veranstaltet. „Fußball ist Deutschlands beliebteste Sportart und zentraler Bestandteil des Dies“, begründet Mischa Lumme. Generell trage das Motto des Dies wesentlich zu seinem einzigartigen Charakter bei; so gab es schon ein Woodstock-Motto und im vergangenen Jahr wurde das Thema mit dem indischen Holi-Fest verknüpft. Marie Bussemeier assoziiert mit dem diesjährigen Motto vor allem das brasilianische Lebensgefühl und hofft, dass sich das nicht nur im offiziellen Logo und den geplanten exotischen Cocktails und Smoothies, sondern auch im Wetter widerspiegelt. Sie wünscht sich, dass am Tag des Dies alles glatt läuft und so abends für sie selbst noch ein wenig Zeit bleibt, ein wenig zuzuschauen: „Den Klimmzug-Kontest, da freue ich mich schon sehr drauf.“

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