Unnötige Elitenförderung oder neue Stipendienkultur?

Seit nunmehr zwei Jahren existiert das Deutschlandstipendium für begabte Studierende. Das statistische Bundesamt veröffentlichte jüngst neue Zahlen, wonach knapp 14000 Studierende in ganz Deutschland diese finanzielle Unterstützung erhalten. Nach zwei Jahren sollte sich das Programm eingefahren haben und es ist gleichfalls ein guter Zeitpunkt, um den ersten Kassensturz zu machen.

Dabei kommt von den Studierendenvereinigungen hauptsächlich Kritik. Der „freie zusammenschluss von studentInnenschaften“ (fzs), der bereits bei der Einführung 2011 seinen Unmut zum Ausdruck brachte, bleibt beim Vorwurf der „Elitenförderung“.  Es wird sogar von Zynismus gesprochen, da das Programm lediglich 0,6% aller deutschen Studierenden fördere und gleichzeitig werde das BaföG, das für 25% lebensnotwendig ist, nicht erhöht. „Es ist inakzeptabel, dass Initiative und Mittel in die finanzielle Förderung eines elitären Bruchteils der Studierenden gesteckt werden, anstatt die finanzielle Förderung in der Breite auszubauen“, gab fzs-Vorstand Katharina Mahrt in einer Presseerklärung aus dem Mai dieses Jahres zu Bedenken. Ein struktureller Kritikpunkt wird außerdem angeführt. So kann man erst Stipendiat werden, wenn sehr gute Leistungen im Studium erbracht wurden. Dies sei aber nur möglich, „wenn eine finanzielle Absicherung bereits gegeben ist“, so der fzs.

Die Hälfte der Gelder muss von den Universitäten bei Unternehmen und Stiftungen eingeworben werden. Insgesamt erhält ein Stipendiat 300 Euro pro Monat, was nicht einmal 50% des Höchstsatzes der Begabtenförderwerke entspricht. Und trotzdem befeuert das Deutschlandstipendium eine immerwährende Diskussion, ob die Spitzenelite oder die breite Masse gefördert werden soll.

Der Göttinger AStA hat dazu eine klare Meinung. „Das Deutschlandstipendium ist genau wie alle anderen Stipendienprogramme ein reines Bildungseliten-Förderungsprogramm und wird somit von uns abgelehnt. Der entscheidende Unterschied zwischen anderen Stipendien und dem Deutschlandstipendium ist der zu große Einfluss der Geldgeber auf die Vergabe. Jeder dieser kann im Prinzip willkürlich entscheiden, welcher Studierende‚ sein Stipendiat werden soll. Wir fordern daher die Abschaffung des Deutschlandstipendiums und die Zuführung der somit eingesparten Gelder zum BAföG“, so die Sozialreferentin Kirsten Schöffel.

Von Regierungsseiten wird in dieser Fragestellung natürlich ein divergenter Standpunkt vertreten. So sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, vor einiger Zeit:  „Anders als andere Länder müssen wir in Deutschland eine private Stipendienkultur erst aufbauen. Das gelingt mit dem zur Hälfte vom Bund geförderten Deutschlandstipendium, das viele private Förderer und Unternehmen mobilisiert, sich für eine Stipendiatin oder einen Stipendiaten zu engagieren. Es war richtig, dass wir trotz der Anfeindungen der Opposition an diesem wichtigen Instrument festgehalten haben.“

An der Georg-August-Universität erhalten aktuell 101 Studierende das Deutschlandstipendium.

Von Constantin Eckner

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