Spart Europa an der falschen Stelle?

Umstrittene Bildungsreformen sorgen für Unruhe an europäischen Universitäten

Europa steckt in der Krise. Nicht nur in der Euro-Krise, sondern auch in einer Staatsschuldenkrise. Die Mitgliedsstaaten der EU müssen unbedingt sparen, um nicht mehr vom Finanzmarkt abhängig zu sein. Vor allem in den Staaten in Südeuropa wird an allen Enden gekürzt wie ein Weltmeister. Die Renten werden geskürzt, Sozialleistungen gestrichen und Investitionen zurückgehalten. Aber anscheinend wird der Hebel auch in der Wissenschaft angesetzt. Nicht nur in Südeuropa soll es Kürzungen in der Bildungspolitik geben, auch in Ländern in Europa wie den Niederlanden.

Ein aktueller Bericht der Europäischen Universitätsvertretung (EUA) zeigt das in der EU besonders in der Lehre gespart wird. Außerdem zeigt er noch auf, dass die  die Kluft zwischen den Universitäten in Europa immer größer wird. Selbst Großbritannien strich die Gelder für die Wissenschaft von 2010 bis 2013 um zwei Milliarden. Außerdem wurden in Großbritannien und Irland die Studiengebühren angehoben. In dem Zeitraum von 2008 bis 2012 strich Spanien Zuschüsse um 9,5 %, in Italien um 12 % und in dem größten Krisenland Griechenland wurden die staatlichen Mittel für die Wissenschaft sogar um 25% gekürzt.

Auch in den Niederlanden sollen umstrittene Bildungsreformen durchgeführt werden. Die Reformen beinhalten massive Kürzungen im universitären Etat. Zum einen soll es zu Kürzungen bei der staatlich geregelten Unterstützung zur Studienfinanzierung kommen. Zum anderen soll der Anspruch auf öffentliche Verkehrsmittel gestrichen werden. Dadurch, dass das niederländische Semesterticket wegfallen soll, werden sich Studierende in Zukunft vermehrt nach Universitäten umschauen, die in der Nähre ihrer jeweiligen Heimat sind und nicht mehr so sehr darauf achten welche Universität die beste Lehre oder Forschung anbietet. Des Weiteren zeigen Studien in den Niederlanden, dass die Studenten durch diese Kürzungen 20 – 40%  ihres Einkommens verlieren. Durch solche Maßnahmen steigt die Gefahr, dass Bildung immer weniger ein öffentliches Gut ist. Dieser Ansicht sind auch die Studierenden in den Niederlanden und so kam es im vergangenen Monat zu Protesten.

Studierendenvertreter überreichten am 27. Mai 6000 Postkarten mit Beschwerden an die Bildungsministerin Jet Bussemaker. Die Aktion hieß „Lieve Jet“ und ist somit direkt an die Bildungsministerin adressiert. Die Studierenden begrüßten den Willen der Ministerin sich dem Thema anzunehmen. Sie mahnten aber gleichzeitig davor diesen Trend der Kürzungen in Sachen Bildung nachzugehen, denn dadurch würden viele Studierende davon abgehalten zu studieren, da sie Angst hätten viele Schulden aufzunehmen, und diese nur schwerlich in ihrem Arbeitsleben wieder abbauen könnten.

In Finnland stehen ebenfalls umstrittene Bildungsreformen in der Kritik. Nicht-Europäer, welche an finnischen Hochschulen studieren, sollen bald 1200 bis 3500 € Studiengebühren pro Jahr zahlen. Die Studierendenvertretungen sprechen sich ganz klar gegen diese Neuregelungen aus. Aber die Universitätsdirektoren sind bei diesem Thema zweigeteilter Meinung. So gibt es Stimmen, die sagen, dass so eine Regelung sinnvoll wäre, da die meisten Nicht-Europäer sich ihren Abschluss in Finnland holen und dann in den USA, Australien oder China arbeiten. Somit würde das Geld der finnischen Steuerzahler nicht in ihr eigenes Land investiert.

Die europäischen Staaten müssen natürlich ihre Haushalte konsolidieren und die riesigen Schuldenberge abbauen. Hier und da kommt es zwangsweise zu harten Reformen, aber diese dürfen nicht zu Lasten in die Zukunft Europas werden. Gerade die Jugend in Europa muss gefordert werden, erst recht wenn man die hohen Arbeitslosenzahlen in Südeuropa sieht. Die EU kann nur erhobenen Hauptes aus dieser Krise heraustreten, wenn sie nicht weniger, sondern mehr in die Bildung ihrer Länder investiert. Höhere Qualifikationen erhöhen die Chancen auf einen Arbeitsplatz und reduzieren somit die Jugendarbeitslosigkeit. In Deutschland sind übrigens die Investitionen für die Wissenschaft in der Zeit von 2008 bis 2012 um 20% gestiegen. Dieser Weg muss für ein erfolgreiches Europa beibehalten werden.

Von Leonard Gehrmeyer

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