festival contre le racisme

Rassismus – noch immer gesellschaftsfähig!

Trotz des Untergangs Hitlerdeutschlands überleben grundlegende Gedanken aus dieser Zeit bis heute. Kampagnen gegen ‚Überfremdung‘ nach der deutschen Wiedervereinigung, die Streichung des Grundrechts auf Asyl aus dem Grundgestz sowie der darauf folgende ‚Asylkompromiss‘, nach dem politischen Flüchtlingen nur mit hohen Einschränkungen Asyl gewährt werden muss, sind nur einige Anzeichen für die kontroverse deutsche Politik. Die Abstufung von politisch Verfolgten zu Wirtschaftsflüchtlingen spiegelt dies ebenfalls wider.

Ein Leben gefüllt mit Angst vor Abschiebung, Aufenthalten in Isolationslagern und in Abschiebehaft. Vom Rest der Bevölkerung systematisch abgegschirmt sind sie unerwünschte Flüchtlinge. Eigentlich nur auf der Suche nach einem sicheren Leben, einer Zufluchtstätte. Doch jene wird ihnen allzu häufig verwährt durch eine Bürokratie, deren Ziel es zu sein scheint, möglichst viele Menschen abzuschieben.

festival contre le racisme

Rassismus und Diskriminierung sind Themen, die auch und gerade Studierende auf Grund der zunehmenden Internationalität an den Universitäten etwas angehen. Ausländische Studierende sind häufig mit Hürden konfrontiert, von denen deutsche Studierende überhaupt nichts wissen. Zum Alltag geworden sind mancherorts diskriminierende AusländerInnengesetzgebung und ein teils fragwürdiger Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen. Um die vielfältigen jedoch unbekannten Probleme aufzugreifen fand deshalb eine Aktionswoche mit einem Mix aus Politik und Kultur statt, das festival contre le racisme (fclr). Dadurch soll in zahlreichen Projekten aufgeklärt, vermittelt und zusammengearbeitet werden. Ziel der Veranstaltungen ist es die kulturübergreifende Integration zu fördern, Kontakte zwischen verschiedenen Menschen zu unterstützen, zur Sensibilisierung der angesprochenen Themenbereiche zu führen und so ein gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Woher kommt das fesival?

Der Ursprung liegt, wie der Name des Festivals schon vermuten lässt, in Frankreich. Dort findet es seit 1983 unter der Organisation des französischen Studierendenverbands UNEF jedes Jahr aufs Neue statt.

In Deutschland wird das festival seit 10 Jahren dezentral organisiert, d.h. es findet an verschiedenen Orten gleichzeitig statt. So machte die Universität  KatHO Aachen dieses Jahr (23.05. – 26.05.) den Anfang und 21 weitere Hochschulstandorte folgten. Der Veranstalter ist ein bundesweiter studentischer Dachverband namens fzs (freier Zusammenschluss von StudentInnen) und der Bundesverband Ausländischer Studierender (BAS). Der fzs koordiniert die verschiedenen Hochschulstandorte und stellt zudem einheitliche Materialien und Medienarbeit bereit. Slogan: ‚Seid couragiert, seid kreativ, seid mit dabei!‘

Letztes Jahr fand das festival erstmals in einem größeren Rahmen in ganz Göttingen mit verschiedensten Veranstaltern, Gruppen und TeilnehmerInnen statt. Das soll in diesem Jahr fortgeführt werden und zur Tradition werden. Unter dem Motto ‚Gegen jede Form von Rassismus – immer und überall!‘ wurde ab dem 15. Juni eine Woche lang das Thema Rassimus auf verschiedenste Art und Weise vorgestellt und behandelt.

Das Thema ist Programm

Das festival wurde durch ein Auftaktkonzert von FaulenzA, Magnus und Cressy Jaw im Stilbrvch eröffnet. Ein weiteres musikalisches Highlight wurde im Haus der Kulturen dargeboten. Bei dem Konzert traten unter dem Slogan ‚Interkultur Live‘ verschiedenste lokale Bands unter freiem Himmel auf. An den anderen Tagen wurden verschiedene Filme, Diskussionsrunden, Konzerte und Events veranstaltet. So beispielsweise auch die zwei Filme, die im Lumière zu sehen waren. ‚Can‘t be silent‘ ist ein 45minütiger Dokumentarfilm, in dem die Filmemacherin Julia Oelkers mit ihrem Team 30 Drehtage lang die Deutschlandtour der Band ‚Strom und Wasser‘ begleitet. Doch was hat das mit Integration und Antirassismus zu tun? Der Zusammenhang wird offensichtlich, schaut man sich einmal die Zusammensetzung der Band von Heinz Ratz an. Die Hälfte der Musiker sind Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Der Film vermittelt einen Eindruck über das schwere Leben der Asylbewerber in Deutschland, bietet dem Publikum durch die musikalische Komponente jedoch auch einen unterhaltsamem Abend.

Ein weiterer Themenkomplex wurde in dem Film ‚Little Alien‘ aufgegriffen, zu dem zusätzlich eine Informationsveranstaltung der medizinischen Flüchtlingshilfe Göttingen e.V. angeboten wurde. Hierbei wurde der Fokus auf den beschwerlichen Weg von minderjährigen, alleinreisenden Flüchtlingen gerichtet.

Du als Flüchtling in Deutschland

Würdest du gerne in einer abgeschotteten Siedlung von 10-12 Häusern mit jeweils 18-20 Zimmern, in denen je eine ganze Familie untergebracht ist leben? Könntest du von 120€ im Monat leben? Wenn dein einziger Lebensinhalt der dreimal tägliche Gang zur Kantine wäre, um deine Mahlzeiten einzunehmen und du den Rest des Tages keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten hast, wie erginge es dir da? Könntest du ein Leben voller Ungewissheit über die nächsten Tage, Wochen und Monate führen und dich Befragungen unterziehen, bei denen nach einem Grund gesucht wird, deinen Aufenthalt in Deutschland nicht zu genehmigen? Einen Höhepunkt des festivals contre le racisme in Göttingen bildete die Podiumsdiskussion im Apex. Dort debattierten VertreterInnen des Flüchtlingsrates Niedersachsen, des Afghanistan-Kulturhauses Göttingen e.V. und des Göttinger Instituts für Demokratieforschung über eben jene Fragen und die Veränderungen in der Migrationspolitik seit dem Regierungswechsel Anfang des Jahres. Einerseits klang dabei die Hoffnung auf eine Besserung der Behandlung von Asylbewerbern an, jedoch wurde auch starke Kritik an den bisherigen Zuständen geübt.

Diese Thematik wurde ebenfalls von der Bühne für Menschenrechte aufgegriffen und in Form von Monologen aus der Perspektive abgewiesener Flüchtlinge dargestellt. Die Intention dieser Theateraufführung im Literarischen Zentrum war es diesen Menschen eine Stimme zu verleihen und auf die Konsequenzen eines abgelehnten Asylantrages hinzuweisen.

Rassismus – ein Thema, das vielen jungen Menschen im Alltag nur selten begegnet, wurde an die Oberfläche gebracht und verdient es, dass man sich damit befasst. Stelle dir nur einmal vor, in Deutschland wäre Krieg und du müsstest in ein fremdes Land auswandern. Man wünscht sich Hilfe und das Gefühl willkommen zu sein und die Chance zu bekommen, ein neues, vielleicht besseres Leben zu beginnen. Nicht mehr und nicht weniger.

Von Sarah Sinnreich

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