Von allen guten Geistern verlassen?

Die Initiative Wohnraumgeist kämpft für die Nutzung des leerstehenden Wohnheims in der Geiststraße

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In der Geiststraße solle studentischer Wohnraum entstehen

Studierendenstadt Göttingen

Seit Jahren setzt sich in der Universitätsstadt Göttingen der Trend steigender Studierendenzahlen fort. Zuletzt hat sich die Situation durch den doppelten Abiturjahrgang und die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 drastisch verschärft. Die gegenläufige Entwicklung auf dem Göttinger Wohnungsmarkt ist besorgniserregend. Im Jahr 2011 existierten in Göttingen ca. 5.300 Wohnheimplätze (4.450 beim Studentenwerk), zehn Jahre zuvor waren es noch 5.800 (4.900 beim Studentenwerk). Der stärkste Rückgang ist laut Zahlen des Göttinger Statistischen Informationssystems Goesis im Innenstadtbereich zu verzeichnen. Die Konsequenz daraus ist, dass Göttinger Studenten auf den normalen Wohnungsmarkt ausweichen müssen. Die dortigen Mietpreise sind jedoch kaum bezahlbar. Dies führt immer häufiger zu dem Entschluss sich eine andere Universitätsstadt zu suchen, anstatt „monatelang auf Wohnungssuche durch die Stadt zu irren und so lange bei anderen Leuten auf der Couch zu schlafen“ thematisieren die GRÜNEN das Problem.

Wie alles begann

Die ‚Rave-Demo – Für gute Bildung und Wohnraum für alle‘ fand am 16. Januar diesen Jahres in Göttingen statt. Studierende, Interessierte und Betroffene nahmen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und ihr Demonstrationsrecht wahr  und zogen unter polizeilicher Aufsicht durch die Göttinger Innenstadt. Im Anschluss wurde zu einer ‚After-Show-Party‘ in einem leerstehenden Wohnheim aufgerufen. 70-100 Menschen folgten der Einladung in die Geiststraße 10.

Das Wohnheim in der Geiststraße

Die ehemalige HNO-Praxis in der Geiststraße 10 wurde vor einigen Jahren zu einem Wohnheim mit gut 65 Plätzen umfunktioniert und von der Universität Göttingen an das Studentenwerk vermietet. Doch im Jahr 2010 platzt der Mietvertrag. Die bisherigen Mieter mussten das Wohnheim räumen und Platz für universitäre Forschungsprojekte machen. Letztere sollten über Fördergelder im Rahmen der Exzellenzinitiative finanziert werden. Wie sich herausstellt, hatte sich die Universität jedoch verkalkuliert und die Geldmittel blieben aus. Daraufhin sollte das leerstehende Gebäude für Projekte der Akademie der Wissenschaft genutzt werden. Die Realität zeichnet jedoch ein anderes Bild. Seit nunmehr drei Jahren steht das ehemalige Wohnheim leer. Ungenutzter Wohnraum und das in einer Studierendenstadt wie Göttingen.

Initiative Wohnraumgeist

Die After-Show-Party entpuppte sich als eine Hausbesetzung, bei der sich mehrere Personen aus dem studentischen Millieu in dem Gebäude niederließen. Die Forderung der Initiative, die sich Wohnraumgeist nennt, lautet: Leherstand zu Wohnraum! Durch eine Podiumsdiskussion soll die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden und so Handlungsdruck auf die verantwortlichen Akteure (Stadt und Studentenwerk) ausgeübt werden. Der Wohnraummangel werde von der Uni nur wahrgenommen, wenn aktiver Protest erfolgt, so Liselotte Meier von ‚Wohnraumgeist‘. Am nächsten Tag sicherte die Universitäts-Präsidentin Ulrike Beisiegel den Besetzern ein Gespräch sowie Straffreiheit zu, wenn das Wohnheim freiwillig geräumt werde. Als von beiden Seiten akzeptierte Vermittlerin fungierte Marie Kollenrott von den GRÜNEN. Die Initiative beschloss das anstehende Gespräch mit dem Unipräsidium, der Stadt, dem Studentenwerk und dem AStA im besetzten Haus vorzubereiten und bis dahin vor Ort zu bleiben. Die Folge war ein von der Universität veranlasster Polizeieingriff und die Räumung des Gebäudes. Einige ‚Wohnraumgeist‘-Mitglieder wurden wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

Das vereinbarte Gespräch fand am 22. Januar statt nachdem sich die Universitätsleitung dazu bereit erklärt hatte, die Anzeigen zurückzuziehen. Anwesend waren neben den VertreterIn der Wohnraumgeist-Initiative und der Universitätsleitung, VertreterInnen des AStA, M. Kollenrott, das Gebäudemanagement und der Uni-Pressesprecher. Die Teilnehmer des Treffens gelangte zu dem Übereinkommen, dass eine Podiumsdiskussion sowie weitere Gespräche und eine Evaluierung der aktuellen Wohnsituation in Göttingen stattfinden sollen. Die Außenreferentin des AstA, Silke Hansmann betont es sei von zentraler Bedeutung vor allem Betroffenen in das weitere Vorgehen und die kommenden Aktionen einzubeziehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Studierendeninitiative ihr Ziel erreicht. Der Stein war ins Rollen gebracht.

Ein ewiges Hin und Her

In den folgenden Tagen beratschlagte das Unipräsidium mit VertreterInnen der Stadt und traf sich auch mit Referenten/Referentinnen des AStA. Eine maßgeblich Beteiligte wurde dabei außen vor gelassen. Die Erklärung dafür ist ein Missverständnis bei dem angenommen wurde, die bereits früher in Erscheinung getretene M. Kollenrott sei die Vertreterin der Wohnraumgeist-Initiative im Rahmen der Gespräche. Dies stellte sich jedoch als eine Missinterpretation heraus und führte zu Verstimmungen seitens der Initiative. Letztere warf der Universität Schwächen in der Kommunikation und Kooperation vor. So wurde der für die Podiumsdiskussion angesetzte Termin in der Klausurenphase auf Grund der erwarteten geringen Beteilungung abgesagt. Als Zweittermin schlug die Universität den 30. April vor und verpflichtete den AStA zur Organisation des Events. Auch dieser Termin war nicht besonders vorasschauend gelegt. Verständlicherweise hatten am Vorabend des 1.Mai nur wenige Studierende Lust an einer Diskission über den studentischen Wohnraum in Göttingen teilzunehmen. Diese Auffassung vertrat auch die studentische Initiative und verkündete im Schulterschluss mit dem AStA nicht an der Podiumsdiskussion teilzunehmen. Diese sei laut Annika Nietschke (AStA-Referentin für Hochschulpolitik) „nicht zielführend“, da die Aufmerksamkeitsschaffung und Informationsbereitstellung bereits erreicht und es an der Zeit für Taten sei.

Wie geht‘s weiter

Für die Initiative Wohnraumgeist und den AStA steht in Zukunft die Vernetzung mit verschiedenen Initiativen und Stadtgruppen an erster Stelle, um gegenüber der Stadt, der Universität und dem Studentenwerk handlungsfähiger zu werden und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Ob ihnen das auch gelingt bleibt abzuwarten. Bis dahin bleibt das Wohnheim in der Geiststraße weiterhin unbewohnt.

Von Sarah Sinnreich

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