Kein Geld für die Grundausstattung

Die Zahnräder wollen nicht mehr so recht ineinander greifen. Rost macht ihnen zu schaffen. Jede kleine Drehung ist ein Kraftakt. Das Getriebe der Lehrerausbildung an der Universität Göttingen läuft nicht mehr so gut, es ist langsamer geworden, schleppender. Geht es so weiter, könnte es letztlich zum Stillstand kommen. Darunter wird die Qualität der Lehrerbildung leiden. Schön ist das nicht, vor allem nicht für Lehramtsstudierende an der Göttinger Universität.

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Nicholas Ruß (links) und Torben Mau im Gespräch mit der Augusta

Leere Stellen

In der Verwaltung der Lehrerausbildung staut sich die Arbeit. Viele Master- Anmeldungen sind noch nicht bearbeitet worden. Die zuständige Stelle für Koordination und Beratung sei vakant, heißt es auf der Homepage der Zentralen Einrichtung für Lehrerbildung, kurz ZELB. Somit gib es auch theoretisch niemanden, der die verpflichtenden Praktika für Lehramtsstudierende koordiniert, und das schon seit über einem Jahr. Die Beratung im Master of Education hat die Studiendekanin der ZELB selbst übernommen. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht. Denn Prof. Dr. Susanne Schneider hat schon genug zu tun. Sie ist für die Leitung der Abteilung Didaktik der Physik verantwortlich. Vielleicht muss sie bald auch noch weitere Arbeiten alleine anpacken. Denn auch die Stelle des Studiendekanatsreferenten, der Studiendekanin Schneider unterstützt, könnte Ende des Jahres wegfallen.

Die Koordinations-und Beratungsstelle als auch die Stelle des Studiendekanatsreferenten sind wichtige Zahnräder im Verwaltungsapparat der ZELB, die als eine Art Fakultät für Lehrerbildung fungiert, aber nicht den gleichen Status wie beispielsweise die Philosophische oder auch die Sozialwissenschaftliche Fakultät genießt. Der Wegfall beider Stellen wird zur Handlungsunfähigkeit der ZELB führen. Schon jetzt läuft es nicht mehr so rund. „Aufgaben bleiben liegen oder werden auf andere Stellen verlagert. Dort bleiben sie meist auch liegen, weil diese anderen Stellen zunächst einmal ihre eigenen Aufgaben erledigen müssen“, erklärt Nicholas Ruß, der ehemalige Sprecher der Lehramtsstudienvertretung (LSV).

Nicht einmal Geld für die Grundausstattung

Es ist die fehlende Finanzierung der beiden Stellen, die wie Rost auf die Zahnräder wirkt. Der Nachfolger für die Koordinations- und Beratungsstelle sei bereits seit März 2013 bekannt, sagt Ruß. „Er kann seine Stelle nur nicht antreten, weil die Frage der Finanzierung noch offen ist“, sagt der ehemalige LSV-Sprecher weiter. Die LSV kritisiert die mangelnde Entschlossenheit des Universitätspräsidiums, einen Teil der Finanzierung der Koordinations-, und Beratungsstelle aus dem Universitätshaushalt zu übernehmen. Die Göttinger Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel habe bei ihrer Antrittsrede im Januar 2011 versprochen, die Lehrerausbildung um wissenschaftliche Aspekte zu erweitern und innovative Lehrkonzepte zu fördern, erinnert Ruß. Doch wenn nicht einmal genug Geld für die Grundausstattung da ist, wie soll da die Innovation in der Lehrerbildung gelingen?

Diese Frage stellt sich auch der jetzige LSV-Sprecher Torben Mau. Die Gründung der Zentralen Einrichtung für Lehrerbildung sei ein guter und wichtiger Schritt nach vorn gewesen, sagt er. Die ZELB steht für die spezifischen Interessen der Lehramtsstudierenden, die immerhin knapp 10 Prozent aller Studierenden der Göttinger Universität ausmachen. „Die Arbeit der ZELB muss aber auch weiter finanziert werden, damit sie handeln kann“, fordert Mau und sagt weiter: „Wir brauchen feste Stellenzusagen und keine Stellen, die nur auf zwei bis drei Jahre befristen sind, damit die Kontinuität in der Arbeit der ZELB erhalten bleibt.“ Studiendekanin Schneider bekräftigt ebenso, dass die Koordinations- und Beratungsstelle im ZELB essentiell sei. Der Vizepräsident der Universität Göttingen Prof. Dr. Wolfgang Lücke verhandele derzeit mit den neun Fakultäten, die an der Lehramtsbildung beteiligt seien, über die Finanzierung dieser Stelle, berichtet Schneider.

 Der Wegfall von Studiengebühren und ihre Folgen

Die Stelle des Studiendekanatsreferenten wurde bislang zum Teil durch Studiengebühren finanziert. Durch den Wegfall von Studiengebühren könnte auch diese Stelle bald gestrichen werden. Die traditionellen Fakultäten müssen sich keine Sorgen um ihre Studiendekanatsreferentensstellen machen, die sind sicher finanziert. „Wir wünschen uns eine feste Finanzierung dieser Stelle auch in der ZELB“, sagt Ruß, denn diese leiste grundlegende Arbeit zur Verbesserung der Lehre. Auch hier sieht die LSV das Universitätspräsidium in der Pflicht, die Stelle des Studiendekanatsreferenten notfalls aus anderen Mitteln zu finanzieren. Durch die Abschaffung von Studiengebühren steht nun auch die Fortführung des Lehramt PLuS Programms auf der Kippe. Lehramt PLuS ist ein berufsbezogenes Zusatzprogramm für Lehramtsstudierende zur Professionalisierung ihres Lehramtsstudiums. „Dieses Programm sollte trotz Wegfall von Studiengebühren unbedingt gehalten werden, weil sie auch der Verbesserung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern dient“, sagt Mau. Die Universität Göttingen hat vorerst die Verwendung von noch vorhandenen Studiengebühren aufs Eis gelegt. Sie wartet darauf, dass die Landesregierung ihrem Versprechen nachkommt und den Wegfall von Studiengebühren dauerhaft kompensiert.

Auf Bundes-, Landes-, und Universitätsebene scheinen sich alle darüber einig zu sein, dass eine gute Ausbildung von Lehrinnen und Lehrern sehr wichtig sei und eine lohnenswerte, gar nötige Investition in die Zukunft und in die jetzige Wissensgesellschaft. Das wird zumindest behauptet: „Die Realität sieht anders aus. Obwohl neue Studien zeigen, dass Lehrerinnen und Lehrer den entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg ihrer Schüler haben, erfahren Lehramtsstudierende eine geringe Wertschätzung an der Universität. Sie werden als Anhängsel im Wissenschaftsbetrieb angesehen. Das soll aufhören!“, so Mau.

Von Wagma Hayatie

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