Helle Köpfe, schnelle Beine. Anpfiff für die Uni-Liga

„Mens sana in corpore sana“- ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Der römische Dichter Juvenal(60-140 n. Chr.) trug diesen Ausspruch auf parodistische Art zum Spott vor. Würde er nun nach fast 2000 Jahren das Sportgelände der Universität Göttingen betreten, böte sich ihm ein kurioser Anblick. Äußerst fähige und gesunde Geister jagen einem Lederball nach und versuchen das Runde ins Eckige zu befördern. Vielleicht würde sich Juvenal gar von der Euphorie anstecken lassen und sich beim Kicken ein wenig seine poetischen Gedanken zerstreuen. Das ist natürlich nur Spekulation. Sicher ist aber das ab dem 17. April eine Fußballeuphorie durch Göttingen geht- das Uni-Liga-Fieber bricht aus. Die AUGUSTA hat sich schlaugemacht, was es damit auf sich hat und alles Wissenswerte zusammengetragen.

Historisches: Die Geburtsstunde der Uni- Liga liegt im Jahr 2005. Die Idee ist aus einer Laune heraus entstanden. „Ein paar Kommilitonen und ich hatten einfach Bock ein wenig zu kicken. Daraufhin haben wir die Liga ins Leben gerufen“, erinnert sich Christoph Köchy, Geschäftsführer der Uni- Liga GmbH. Die Initiative fand direkt positiven Anklang: „Wir hatten mit etwa zehn Teams gerechnet, es meldeten sich allerdings 48.“ Bereits im folgenden Jahr stieg die Anzahl der Teams um das Doppelte, sodass eine Grenze von 84 festgelegt wurde.

Inzwischen hat sich die Marke Uni-Liga durchgesetzt und auf weitere Städte wie Kassel und Braunschweig ausgeweitet. Die Uni-Liga GmbH koordiniert mittlerweile 21 Ligen. Die Berichterstattung auf Facebook und der eigenen Homepage betreiben die Organisatoren mit viel Herzblut. Die professionelle Inszenierung macht den Charme der Liga aus.

Modus: Die Vorrunde wird in 14 Gruppen, in denen jeweils sechs Teams um den Gruppensieg streiten. Sowohl die Erst- als auch die Zweitplatzierten qualifizieren sich für die Play-Offs. Dazu gesellen sich die vier besten dritten Plätze.

Favoriten: „Es ist schwierig einzuschätzen wer in diesem Jahr vorne mitspielt“, sagt Köchy. Gesucht wird der Nachfolger des Weißen Ballett. Die Rekordsieger sind in diesem Jahr nicht vertreten. Die Mannschaft von Die TSG strebt nach der letztjährigen Finalniederlage in diesem Jahr den letzten Schritt zu vollziehen. Das Team des F.C. Nankatsu wiederum hat bereits beim Wintercup eindrucksvoll nachgewiesen, dass es sich dieses Jahr in guter Form befindet. Möglicherweise gelingt es auch einem Newcomerteam die Phalanx der altarrivierten zu stürzen. „Ich würde auf Sportstudierende tippen. Die sind zumindest zu Beginn stets die Fittesten“, witzelt Köchy. Um ein weiteres Mal den Dichter Juvenal heranzuziehen: Für den Turniererfolg bedarf es einer geistvollen Taktik und schnelle, gesunde Beine.

Politische Dimension: Zur Tradition der Uni-Liga gehört zweifelsfrei, dass viele Teams sich bei der Namensgebung auf prominente Vereine beziehen und deren Titulierung mehr oder minder originell umwandeln. In der Vergangenheit handelte es sich oft um Wortspiele, die mit Alkohol oder Geschlechterstereotypen zu tun hatten.

Nach der aufsehenerregenden  Sexismusdebatte im vergangenen Jahr, sogar Spiegel-Online berichtete darüber, deren Ausgangspunkt der Teamname F.C. Siewillja bildete, hat sich das Bewusstsein der Verantwortlichen bezüglich der Namensgebung verschärft. „Wir nehmen dieses Thema absolut ernst“, erklärt Köchy. „Einige finden es witzig, allerdings hört der Spaß auf, wenn sich jemand diskriminiert fühlt.“ Erstmals setzte sich im Vorfeld ein Komitee zusammen, bestehend aus Gleichstellungsbeauftragten, dem Hochschulsport und der Uni-Liga GmbH, die die Namensliste absegneten. Neben sexistischen Bezeichnungen, fielen ebenfalls alkoholverherrlichende Namen unter die Zensur. „Die Uni-Liga repräsentiert als offizielle Veranstaltung des Hochschulsports inzwischen die Universität im hohen Maß. Insofern tragen wir die Linie des Präsidium mit, das sie sich gegen einen ausschweifen Alkoholkonsum wendet.“, macht Köchy deutlich. Als angehende Akademiker seien die Studierenden gefordert sich die Folgen ihrer Taten vor Augen zu halten. Dieser Schritt zeigt auf, wie weit die Emanzipation der Uni-Liga fortgeschritten ist. Sie hat sich von einer reinen Spaßveranstaltung zu einem seriösen Sportevent entwickelt, dass, ob der Tragweite ihrer Außendarstellung wissend, eine tolerante Botschaft setzt.

Atmosphäre: Trotz solcherlei Nebengeräuschen ist die Begeisterung für die Uni-Liga ungebrochen. An den Spieltagen kommen um die tausend Studierenden, spielen Fußball, fiebern neben der Seitenlinie mit und feiern gemeinsam. „Es ist gar nicht notwendig etwas außergewöhnliches drum herum zu organisieren. Im Grunde sind alle zufrieden, wenn der Ball rollt“, sagt Köchy. Die Teams seien selbst kreativ genug, dass Flair des Events zu tragen. „Das Erfolgsrezept ist simpel aber erfolgreich. Im Gegensatz zum Vereinssport ist die Uni-Liga deutlich unverbindlicher. Jeder kann dabei sein. Gute Spieler probieren etwas aus, weniger talentierte verlieren nicht die Lust.“ Im Prinzip wollen die Studierenden mit ihren Freunden gemeinsam Fußball spielen. Schlussendlich lebt in einem gesunden Körper ein gesunder Geist.

Von Marc Strotmann( marcstrotmann@hotmail.de)

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