Spielwiese Europa

Man möchte ja immer gerne das haben, was man nicht hat und am liebsten, was man gar nicht bekommen kann. Das war schon als Kind so, als der Wunsch nach dem ferngesteuerten Monstertruck mit jedem enttäuschenden Holzspielzeug-Weihnachtsfest größer wurde. Und das scheint nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Großen, ja, sogar für die Größten zu gelten. Denn während sich die EU wie ein bockiger Sechsjähriger zu jedem Weihnachten neue Fachkräfte, Wissenschaftler und Studenten von Außerhalb wünscht, um in den Mitgliedstaaten den Mangel an ordentlichem Humankapital zu decken, und sich der Weihnachtsmann erdreistet, diesem Wunsch Jahr für Jahr nicht nachzukommen, bleiben die europäischen Studenten astreine Ladenhüter im Spielwarenhandel Europa. Die europäische Binnenmobilität von Studenten zu erhöhen, indem etwa das ERASMUS-Programm weiter gestärkt oder zumindest vernünftig aufrechterhalten wird, macht ja auch gar keinen Spaß. Was hätte man denn davon, wenn gut ausgebildete Studenten und Wissenschaftler aus Deutschland oder England etwa nach Ungarn oder Rumänien gehen würden, um dort zu studieren oder zu arbeiten? Damit wäre sicherlich keinem geholfen. Das wäre eben nur der Strickpulli anstelle des iPhones auf dem Gabentisch. Und bevor man dafür zu viel  Geld ausgibt, steckt man die Energie lieber gleich in ausgefuchste Anwerbestrategien für außereuropäische Spitzenkräfte. Warum in die Nähe schauen, wenn das Gute doch so fern liegt? Zugegeben, so ein ferngesteuerter Monstertruck kann schon was. Aber vielleicht kommt die EU ja auch zu der Einsicht, dass Holzbauklötze gar nicht so verkehrt sind unterm Baum.

Von Pascal Nagel

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Ein Kommentar zu “Spielwiese Europa”

  1. Zeit für einen europäischen δῆμος! Die Menschen können sich nur europäisch fühlen, wenn sie Europa erfahren und erleben. Wenn sie es sich er-fahren und er-leben und er-studieren können. Dafür sind Austausch und Mobilität fundamental.
    Alle, die es noch nicht getan haben, sollten daher dieses Europäische Bürgerbegehren unterzeichnen, ein Instrument übrigens, das meiner Meinung nach gut zur Schaffung eines europäischen postnationalen Demos beitragen kann.

    http://de.fraternite2020.eu/index.html

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