Auch wir sind Deutschland!

In Deutschland leben 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Drei göttinger Studentinnen sind ein Beispiel erfolgreicher Integration und werden dafür mit einem Stipendium der Deutschlandstiftung Integration belohnt.

von Wagma Hayatie

Efpraxia war acht und ihre Schwester Dimitra drei Jahre alt, als sie nach Deutschland kamen. Es war eine spontane Entscheidung ihrer Eltern, Griechenland zu verlassen und ein neues Leben in Deutschland zu wagen. Alles andere als freiwillig war die „Abreise“ von Batol und ihrer Familie aus dem Irak. Der ethnische Verfolgungswahn Saddam Husseins hatte sie zur Flucht gezwungen, zunächst in den Libanon und dann nach Deutschland. Batol Mohamad Al Hashemi wurde mit neun Jahren aus ihrem Alltag herausgerissen und fand sich im Jahre 2001 in der Immenstadt im Allgäu wieder. Das war wie ein Sprung ins kalte Wasser. „Hier in Deutschland war alles neu für uns“, berichtet die 21-jährige Batol Mohamad Al Hashemi. Heute studiert sie an der göttinger Universität Politikwissenschaften und Arabistik/Islamwissenschaft. Als sie mit ihrer Familie nach Deutschland kam, sprach sie kein Wort Deutsch und auch die deutsche Kultur erschien ihr fremd. „Mir fiel es aber leichter als meinen Eltern, mit der fremden Kultur zurechtzukommen“, sagt Batol. Mit anfänglichen Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hatten auch Efpraxia und Dimitra Dermitzaki zu kämpfen. Doch genauso wie Batol lernten auch sie schnell Deutsch und lebten sich schon bald in Deutschland ein.

Talente mit Migrationshintergrund

Die Lebensläufe von Batol Mohamad Al Hashemi, Efpraxia und Dimitra Dermitzaki zeugen heute von gelungener Integration. Die drei jungen Frauen sind bisher erfolgreich durch ihren Bildungsweg gegangen. Die 22-jährige Effi, wie Efpraxia von ihren Freunden genannt wird, studiert heute an der Georg-August-Universität Politikwissenschaften und Englische Philologie. Ihre 19-jährige Schwester ist ebenfalls Studentin der hiesigen Universität. Sie befasst sich mit den Fächern Politikwissenschaften und Ethnologie. Batol, Effi und Dimitra glänzen nicht nur durch ihre schulischen und universitären Leistungen, sondern auch durch ihr enormes soziales Engagement. Im Jugendparlament ihrer Heimatstadt Laatzen haben Effi und Dimitra die Interessen von Kindern und Jugendlichen vertreten. Kreativ sind sie gegen das Vergessen der nationalsozialistischen Vergangenheit vorgegangen und haben Geschichten aufgeschrieben, die in einer Anthologie veröffentlicht wurden. Efpraxia Dimitra ist sogar Mitbegründerin einer Jugendorganisation, nämlich der „Young United Cultures“, die den interkulturellen Austausch stärken will. Batol hat neben der Schule für die regionale Zeitung geschrieben und sich als Mitglied in der Arbeitsgruppe für Migration und Integration im Landkreis Oberallgäu für bessere Integrationschancen eingesetzt.

Die Deutschlandstiftung Integration und ihre Unterstützer haben die Leistungen und das soziale Engagement der göttinger Studentinnen nun mit einem Stipendium belohnt. Zwei Jahre lang werden  Batol Mohamad Al Hashemi, Efpraxia und Dimitra Dermitzaki nun ideell gefördert und auf ihrem weiteren Werdegang durch eine Mentorin bzw. einen Mentor unterstützt. „Meine Mentorin berät mich beispielsweise bei Bewerbungen, vermittelt mir Praktika. Wir tauschen uns regelmäßig aus“, sagt Efpraxia Dermitzaki. Das Stipendien- und Mentorenprogramm  „Geh deinen Weg“  wurde 2012 ins Leben gerufen. Das ideelle Förderprogramm soll ausschließlich talentierte Menschen mit Migrationshintergrund in ihren Integrationsbemühungen unterstützen.

Alle müssen offen sein

In Deutschland leben 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das sind 20 % der Gesamtbevölkerung. In manchen Fällen gelingt die Integration, in manchen nicht. Und für den Erfolg oder Misserfolg sind weder allein die Migranten noch allein die Nicht-Migranten verantwortlich.  Integration funktioniert, wenn beide Seiten offen dafür sind, die Migranten und auch die Nicht-Migranten.  Efpraxia und Dimitra Dermitzaki waren bereit sich zu integrieren und sind dabei von ihrem Umfeld offen empfangen worden. „Wir haben dabei Unterstützung von allen Seiten erhalten, von Familie, Freunden, Lehrern. Wir haben uns nie ausgegrenzt gefühlt“, erinnert sich Dimitra Dermitzaki. Auch Batol Mohamad Al Hashemi war integrationswillig. Doch sprachen sie Fremde auf ihr Kopftuch an und sagten ihr, sie werde mit dem Kopftuch nichts erreichen. „Ich habe mich im Allgäu oft als fremd und nicht dazugehörig empfunden. In Göttingen fühle ich mich wohl“, sagt Al Hashemi.

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